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"Bunte" ließ Müntefering & Co bespitzeln

Ein "Spionagefall" bringt die deutsche Wochenzeitschrift "Bunte" in die Bredouille. Einem Bericht des "stern" zufolge soll das Blatt das Privatleben deutscher Spitzenpolitiker - darunter Ex-SPD-Chef Müntefering - systematisch ausspioniert haben. Dabei seien ein Briefkasten und eine Fußmatte manipuliert worden, es seien Kameras installiert und eine Wohnung zur Observation gemietet worden. Die "Bunte" bestätigte Rechercheaufträge, wies aber den Vorwurf unlauterer Methoden zurück.

"Stern" gegen "Bunte"

"Stern": Spitzenpolitiker im Auftrag der "Bunten" bespitzelt. "Bunte" weist Vorwurf zurück.

Für Wirbel in Deutschland sorgt zurzeit ein Bericht des Hamburger Magazins "stern", wonach das Privatleben von Spitzenpolitikern zeitweise systematisch ausspioniert wurde.

Eine Berliner Foto- und Recherchefirma namens CMK habe im Auftrag der Münchner Illustrierten "Bunte" den ehemaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering und seine heutige Frau Michelle Schumann, den Linke-Vorsitzenden Oskar Lafontaine und CSU-Parteichef Seehofer beschattet, berichtet der "stern" in seiner aktuellen Ausgabe.

Dabei beruft sich der "stern" auf interne Unterlagen von CMK sowie auf Aussagen ehemaliger Mitarbeiter der Firma. Im Fall von Müntefering sei ab Ende 2008 über Monate sein damaliger Wohnsitz in Berlin observiert worden, um Details über seine Beziehung zur 40 Jahre jüngeren Schumann in Erfahrung zu bringen und heimlich Fotoaufnahmen zu machen.

Briefkasten und Fußmatte manipuliert
Die Methoden von CMK glichen dem Bericht zufolge denen von Privatermittlern. So sei zum Beispiel Schumanns Briefkasten manipuliert worden, zudem sollte Münteferings Fußmatte mit einem Melder präpariert werden. Es seien Kameras installiert und eine Wohnung zur Observation gemietet worden.

Der Bericht über Müntefering und seine neue Beziehung sei samt den Bildern am 7. Mai 2009 in der "Bunten" erschienen.

Praktikumsplatz für Recherche
Bereits im Frühjahr 2008 hatte CMK laut "stern" von "Bunte" den Auftrag erhalten, eine mögliche Beziehung des verheirateten Lafontaine zu der linken Abgeordneten Sahra Wagenknecht zu recherchieren.

Dem Bericht zufolge forschte CMK Lafontaines damaliges Domizil in Berlin aus. Ein Mitarbeiter der Firma habe zudem versucht, in der Linken-Fraktion des Bundestages einen Praktikumsplatz zu bekommen, um Lafontaine besser beobachten zu können.

Auch Seehofer sei ins Visier der Agentur geraten, so der "stern". Im Fall Lafontaines sei der Rechercheauftrag zurückgezogen worden. Bei der Geschichte über Seehofer habe sich die Geliebte zum Interview entschlossen.

"Bunte" und CMK verteidigen sich
"Bunte"-Chefredakteurin Patricia Riekel räumte laut "stern" zwar ein, CMK mit Recherchen zum Privatleben der Politiker beauftragt zu haben. Über unlautere Methoden sei der Zeitschrift aber nichts bekannt, hob sie hervor.

"Bunte"-Herausgeber Hubert Burda Media sprach von einem "Versuch der Verleumdung". Die Auftragsvergabe an externe Dienstleister sei eine übliche Praxis. Die Zeitschrift habe in allen drei Fällen die Agentur um "eine journalistische Fotorecherche" gebeten. Nach "Bunte"-Angaben wurden juristische Schritte gegen den "stern" eingeleitet.

"Stern"-Chefredakteur Thomas Osterkorn sagte, die Recherchen seines Magazins hätten sich zunächst nicht auf die "Bunte" bezogen, sondern auf die Frage, wer Lafontaine ausspioniert haben könnte. Dabei sei man auf die "Bunte" als Auftraggeber von CMK gestoßen. Der "stern" habe journalistisch sauber gearbeitet.

CMK-Mitarbeiter gekündigt
CMK bestätigte, hinter Müntefering, Lafontaine und Seehofer her gewesen zu sein. "Unsere Recherchemethoden bewegen sich stets im Bereich des presse- und standesrechtlich Zulässigen", betonte CMK. Von zwei ehemaligen Mitarbeitern, auf die sich der "stern" als Informanten beruft, habe sich CMK im April 2009 getrennt.

Politiker sehen Erklärungsbedarf
Müntefering forderte von der "Bunten" eine Erklärung über den Fall und fragte nach dem "Ehrenkodex" der deutschen Medienwelt. SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann sieht einen "unverschämten Übergriff", für SPD-Justizexpertin Brigitte Zypries ist die Beschattung "rechtswidrig".

Ein Sprecher der Linksfraktion im Bundestag hob hervor: "Das hat mit ernsthaftem und seriösem Journalismus nichts zu tun." Seehofer ließ eine Reaktion offen.

Journalistenverband: Intimleben tabu
Der intime Lebensbereich von Spitzenpolitikern muss nach Meinung des Deutschen Journalistenverbandes (DJV) für die Medien tabu sein. "Das Intimleben von Politikern auszuspähen verstößt gegen die berufsethischen Regeln des Journalismus", sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken.